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Familie & Gesundheit

„Oh, welche Lust, Soldat zu sein“

Spielzeug im Dritten Reich

Freitag, 16. August 2019 - 15:35 Uhr

von Alexandra Knop

Sonderausstellung im Spielzeugmuseum Max und Moritz.

© ANDRESEN

Eva Gutersohn zeigt in der neuen Ausstellung anschaulich, wie das nationalsozialistische Regime versuchte, die Kinder für seine Zwecke zu gewinnen.

„Oh, welche Lust, Soldat zu sein“ heißt die neue Sonderausstellung im Spielzeugmuseum Max und Moritz, Auf der Kirchwiese 1 in Rhede. Sie verdeutlicht die Machenschaften der Nationalsozialisten im Dritten Reich. Gezeigt werden Kinderspielzeug und Informatives aus dem Dritten Reich.

Eva Gutersohn, Inhaberin des Rheder Spielzeugmuseums Max und Moritz, verdeutlicht in einer Ankündigung zur Ausstellung: „Mir war es ein Bedürfnis, vor dem Jahrestag zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September vor 80 Jahren zu zeigen, wie das nationalsozialistische Regime versuchte, selbst die Kleinen für seine Zwecke zu gewinnen. Die Propaganda begann bereits im Kinderzimmer.“

Selbst die Mädchen und Jungen, kaum dem Kindergarten entwachsen, wurden vereinnahmt, wie die Rhederin von Jahrgang 1942 im Spielzeugmuseum in Rhede eindrucksvoll dokumentiert. Gutersohn hat die meisten Ausstellungsstücke aus ihrem unerschöpflichen Repertoire zusammengestellt.

Die Jungen und Mädchen ließen sich damals begeistern, führt sie aus – mit Uniformen, Wettkampf-, Gesellschaftsspielen und durch das Umfeld. „Sie wurden mit den Machtmitteln von Staat und Partei dazu gezwungen“, sagt Eva Gutersohn, „selbst wenn sich die Eltern gegen eine Partei-Mitgliedschaft stellten.“ Die seien einfach machtlos gewesen. Auch, weil die Kinder sich vom Umfeld begeistern ließen – von Spielkameraden, von der allgemeinen Stimmung, zum Teil von Zwängen in Schulen.

Jungen zwischen zehn und 14 Jahren gingen ins „Deutsche Jungvolk“ (DJV) und wurden „Pimpfe“ genannt. Anschließend folgte die „Hitlerjugend“ (HJ), von 14 bis 18 Jahren. Ab 18 folgte der „Reichsarbeitsdienst“ (RAD). Ab Februar 1943 wurden 15- und 16-Jährige als „Luftwaffenhelfer“ oder zum Luftschutz (Feuerwehr) und später zum „Volkssturm“ eingezogen, wie die Ausstellung belegt.

Mädchen zwischen zehn und 14 Jahren traten den „Deutschen Jungmädchen“ (DJM) bei, danach – zwischen 14 und 18 – dem „Bund Deutscher Mädchen“ (BDM) und waren schließlich im „Reichsarbeitsdienst“ tätig, zum Beispiel als Flakhelferin, für Nachrichtentätigkeiten, Büroarbeiten und besonders für gern gesehene soziale Aufgaben.

Die „Pimpfe“ gingen in den Wald, Eicheln sammeln, heißt es in einem Heftchen: „Zwölf Säcke voll haben sie dem Förster gebracht für die Rehe im Winter. Dafür haben sie schön Geld bekommen, und nun freuen sie sich; denn jetzt kann sich das Fähnlein was kaufen, vielleicht eine Zeltbahn oder eine Jacke für einen armen Kameraden.“

Die Jungen waren besessen von Kriegsspielzeug, berichtet Eva Gutersohn – und hat Vitrinen gefüllt mit Figuren: Fahnen-, Fackelträger, Reiter, Trommler, Flötisten. „Musik spielte eine ganz wichtige Rolle“, sagt Eva Gutersohn: „In Jugendzeltlagern ging es immer um Spiel, Spaß, Sport, Singen und Musizieren.“

Den Mädchen sei von den Nazis ebenfalls früh eine bestimmte Rolle zugeordnet worden. Eva Gutersohn: „Sie spielten Mutter und Kind. Herzenswunsch aller Mädchen waren Puppe, Puppenwagen, Kochherd und Puppenstube.“ Eben die typischen Mädchenthemen.

Pädagogisches und staatliches Ziel sei es laut Pressemitteilung des Museums vor allem gewesen, sogenannte „gute Hausfrauen und Mütter zu erziehen“. Ein Spruch von damals in der Puppenspielszene mit Küche, Badewanne, Bügeltisch und Waschbrett: „Mädels, werdet gute Hausfrauen und bekommt viele Kinder zum Heil des Vaterlandes.“

Für Jungen waren dagegen „Puppen verpönt: Das hätte sie weibisch gemacht“, erläutert Eva Gutersohn. Selbst das Kasperletheater wurde von den Nazis umgedreht: Juden erhielten immer Prügel.

Spielzeugmuseum „Max und Moritz“, Auf der Kirchwiese 1, 02872/981012, max-u-moritz.de; Öffnungszeiten: dienstags bis donnerstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr; Ausstellungsdauer: bis Mitte Oktober. Sonderführungen auf Anfrage auch außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten.

© ANDRESEN

Die Jungs von damals liebten ihr Kriegsspielzeug.