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Wirtschaft

Gastlichkeit in sechster Generation

Heeldener Traditionsbetrieb

Freitag, 12. April 2019 - 11:15 Uhr

von Christiane Schulz

Die Gaststätte Langenhorst feiert in diesen Tagen ihr 125-jähriges Bestehen.

Foto: Christiane Schulz

Detlef (links) und Thomas Westerhoff vor der Fassade der alten Schenkwirtschaft, die 1894 erbaut wurde.

Das Zelt auf dem Parkplatz vor der Gaststätte Langenhorst ist unübersehbar: Am heutigen Samstag feiert die Familie Westerhoff das 125-jährige Bestehen ihres Gasthofes mit rund 1200 geladenen Gästen. Darunter Delegationen von 16 Schützenvereinen, sieben Tambourkorps, drei Blasorchestern sowie vielen langjährigen Gästen. „Wie viele genau kommen, weiß ich gar nicht“, so Detlef Westerhoff, der das Fest zusammen mit seinem Sohn Thomas organisiert hat.

Angesichts der Dimensionen der Jubiläumsfeier muten die Anfänge des Heeldener Traditionsgasthofes recht bescheiden an. Alles begann 1894 mit dem Bau des Hauses, an dessen Front noch heute der Schriftzug „Schenkwirtschaft Langenhorst“ prangt. Erbaut wurde es von Hermann Graaf, von dem heute lediglich bekannt ist, dass er die kleine Schenke 1913 seiner Tochter Christine und Schwiegersohn Heinrich Westerhoff vermachte. Der Urgroßvater von Detlef Westerhoff führte das Lokal, zu dem auch eine kleine Landwirtschaft gehörte, unter dem Namen des Landstrichs, Langenhorst, weiter. Er profitierte von der Errichtung des Vehlinger Bahnhofs nebenan, denn die Fahrgäste nutzten die Kneipe als Raststätte. Nach dem Tode Heinrich Westerhoffs, heiratete dessen Witwe Christine – die seinerzeit bereits Mutter dreier Kinder war – Hermann Tebbe. Dieser führte die Gaststätte, die seit Anfang der 1940er-Jahre auch über eine Gartenwirtschaft verfügte, bis 1967. Dann übernahm Heinz Westerhoff, einer von Christines Kindern aus erster Ehe, die Geschicke des Hauses.

Während Heinz Westerhoff hauptberuflich in der Autobahnmeisterei arbeitete, kümmerte sich seine Ehefrau Christel um die Schenke. Sie eröffnete 1967 eine Küche, sodass fortan bei Langenhorst auch gespeist werden konnte. 1968 bauten die Westerhoffs den kleinen Saal – das heutige Kaminzimmer. „Damals ersetzten wir auch die Plumpsklos durch WC-Anlagen“, so Detlef Westerhoff und schmunzelt. Zwei Jahre zuvor hatten seine Vorfahren im hinteren Teil des Grundstücks, das bis dahin landwirtschaftlich genutzt wurde, bereits den „Goldbrunnen“, ein Abendlokal mit beleuchteter Tanzfläche eröffnet. „Das verschwand 1970 wieder, weil an dieser Stelle der erste Saal für damals 100 Personen gebaut wurde“, erinnert sich Detlef Westerhoff.

Für den heute 60-Jährigen war immer klar, dass er den elterlichen Betrieb weiterführen würde, auch wenn die Gastronomie wie er sagt: „Eine schwere Arbeit ist“. Westerhoff absolvierte eine Ausbildung zum Koch im Parkhotel-Wasserburg Anholt und sammelte einige Jahre als Koch Erfahrungen, ehe er 1984 die Geschicke des Traditionsgasthofes übernahm. Vier Jahre später wurde der Saal unter seiner Leitung verdoppelt und bietet seither 200 Gästen Platz zum Feiern. 1996 baute Detlef Westerhoff das Jagdzimmer an. Ins gleiche Jahr fällt auch der Bau der zweiten Küche und eines großen Kühlhauses, beides wurde für die steigende Zahl von Catering-Aufträgen benötigt. Zehn Jahre später eröffnete der passionierte Motorradfahrer „Daddy‘s Bikertreff“ und 2013 die neue Außenterrasse an der B67.

Seit diesem Jahr führt nun mit Thomas Westerhoff die sechste Generation die Geschicke des traditionsreichen Hauses weiter. Auch der 29-Jährige hat seine Kochlehre im Parkhotel Anholt absolviert. Und mit seinen beiden kleinen Töchtern schnuppert bereits die siebte Generation Gastronomieluft.

Foto: Gaststätte Langenhorst