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Wirtschaft

Plötzlich krank und arbeitslos

Agentur für Arbeit setzt sich ein

Freitag, 8. Februar 2019 - 10:24 Uhr

von Christian Vosgröne

Wie Detlef Gilleßen (57) der Weg zurück auf den Arbeitsmarkt gelang.

Foto: Agentur für Arbeit

Thomas Mewes (rechts) konnte mit Hilfe von Bernd Krug von der Agentur für Arbeit (links) zwei neue Mitarbeiter finden.

Für Detlef Gilleßen war die Welt in Ordnung. Er hatte eine leitende Position im Vertrieb und war seit 37 Jahren bei seinem Arbeitgeber beschäftigt. Dann wurde er krank und schwerbehindert. Er konnte seinen Job nicht mehr ausüben, rutschte in die Arbeitslosigkeit. Hoffnung auf einen neuen Job machte er sich nicht mehr. Mit gezielter Hilfe der Agentur für Arbeit Coesfeld konnte er nun doch wieder eine neue Tätigkeit aufnehmen.

„Ich bin weit über 50, da habe ich mir wenig Chancen auf eine adäquate Stelle ausgerechnet“, so der 57-jährige Sendener. Bernd Krug, Arbeitsvermittler für Schwerbehinderte und Rehabilitanden bei der Agentur für Arbeit Coesfeld, ließ jedoch nicht locker. Er machte Gilleßen im August des vergangenen Jahres ein Angebot für einen Arbeitsplatz bei der Firma Mewes Teppichmanufaktur in Dülmen. „Ich kenne den Inhaber des Unternehmens schon viele Jahre, daher war ich mir sicher, dass beide gut zusammenpassen würden“, betont Krug.

Mit wenig Zuversicht griff Gilleßen zum Hörer und rief beim Dülmener Unternehmen an. Dort sprach er mit Thomas Mewes, dem Inhaber und Geschäftsführer der Teppichmanufaktur. „Wir haben fast zwei Stunden telefoniert und lagen sofort auf einer Wellenlänge“, ist Gilleßen begeistert. Auch für Mewes war schnell klar, dass es passte. Der Unternehmer setzt zudem gerne auch auf Mitarbeiter mit viel beruflicher Erfahrung. „Dadurch lassen sich anstehende Projekte und Arbeitsabläufe schneller umsetzen beziehungsweise optimieren und unsere jungen Mitarbeiter nehmen dieses Wissen ebenso gerne auf. Die Jahre bis zur Rente so zeigt es unsere Erfahrung, kann man noch sehr erfolgreich zusammenarbeiten.“

Seit Oktober ist Detlef Gilleßen nun bei der Firma Mewes beschäftigt. Die Position ist zunächst auf zwei Jahre befristet. Die Agentur für Arbeit gibt eine Förderung an den Arbeitgeber dazu: „Man darf nicht vergessen, dass Herr Gilleßen durch Krankheit und Arbeitslosigkeit drei Jahre aus seinem Beruf raus war und in einer neuen Branche eingestiegen ist“, erklärt Krug und verdeutlicht, dass damit auch ein hoher Einarbeitungsaufwand für das Unternehmen verbunden ist.

Die ersten Arbeitstage waren für den Sendener dementsprechend anstrengend: „Es gab viel Neues für mich, daher musste ich anfangs viel zuhören. Aber es war auch sehr spannend.“ Vor allem im Vertrieb soll Detlef Gilleßen seine Erfahrungen einbringen und neue Schwerpunkte setzen. Um ihn dabei von den administrativen Arbeiten zu entlasten, suchte Mewes noch eine weitere Mitarbeiterin. Auch hier konnte Arbeitsvermittler Bernd Krug helfen.

„Ich erinnerte mich an eine Bewerberin, die eine Umschulung zur Steuerfachangestellten abgeschlossen hat und nun dringend eine neue Stelle suchte“, so Krug. So schlug er Sabina Kunz bei Mewes vor. Die 50-jährige Lüdinghauserin musste ihren Beruf als Textilreinigerin aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Nach der Umschulung hatte sich bislang aber keine berufliche Einstiegschance für sie ergeben. „Mir fiel zu Hause die Decke auf den Kopf. Daher war ich über das Angebot von Herrn Krug sehr glücklich.“

Sabina Kunz arbeitet inzwischen seit November bei der Firma Mewes. Sie unterstützt Gilleßen im Büro und arbeitet zusätzlich zeitweise in der Produktion. Auch sie schätzt die Normalität, die sich nach Krankheit und Arbeitslosigkeit endlich wieder eingestellt hat. „Ich kenne meine Bewerber sehr gut und auch viele Unternehmen, mit denen ich seit Jahren eng zusammenarbeite. Das ist ein großer Vorteil, denn so kann ich abschätzen, in welches Unternehmen ein Bewerber passen würde“, erklärt Krug. Diesen Vorteil konnte er bei Sabrina Kunz und Detlef Gilleßen nutzen. Trotz des Alters und der gesundheitlichen Einschränkungen sind sie heute wichtige Mitarbeiter der Firma Mewes. „Ein Gewinn für die Bewerber und den Unternehmer“, freut sich Krug.